Wer dachte, Petra und ich hätten es uns mit unserem T-Bone Steak schon ziemlich gut gehen lassen hatte recht – aber wir haben es uns an diesem Abend nicht leicht gemacht, uns für ein Lieblings-Gericht zu entscheiden. Außerdem hatte ich ja geschrieben, es gab den Spätburgunder zum Hauptgang. Unsere Vorspeise, die war mindestens genauso sensationell. Nicht, dass wir nicht von unserer Idee überzeugt gewesen wären, mal ein paar Austern mit Toppings zu versehen. Dass uns die gleich selber zum Stauen gebraucht haben – und zwar optisch und geschmacklich, hat uns dann doch ein wenig überrascht. Das kommt dabei raus, wenn man einfach mal drauf los geschmacks-philosophiert, schnipselt, jeder seinen Kühlschrankinhalt zu Grunde legt und keine Kombination zu abgefahren erscheint.

Austern, Mango, Forellenrogen, Chili & Riesling

Mango, Forellenrogen, Chili & Koriander: Eines meiner Lieblingstoppings. Mag ich Salsas ohnehin sehr gerne, besonders wenn sie ein bisschen Schärfe und Frucht mitbringen, musste ich die Mango von Petra unbedingt mit einer kleinen Thai-Chili kombinieren. Dazu Zitronensaft und gehackter frischer Koriander, für die salzige Note sorgt der Forellenrogen.

Austern mit Himbeere & Koriander

Himbeeren, Koriander, Olivenöl: Himbeeren! Ich liebe Himbeeren. Frucht und Austern, warum nicht. Schnell also ein paar Himbeeren aufgetaut, frische hatte ich leider nicht, mit gehacktem Koriander, etwas Zitronensaft und ein paar Tropfen Olivenöl vermengt. Das Olivenöl macht das Topping geschmeidig, rund im Geschmack und nimmt ein wenig die Säure. Trotzdem bleibt die frische Fruchtigkeit der Himbeere herrlich erhalten und ergänzt sich fabelhaft zur salzigen Auster.

Auster, Monkey Gin, Forellenrogen & Salicornes

Monkey-Auster

Monkey Gin, Forellenrogen & Salicornes: Besonders angetan waren wir von dieser Kombination. Und noch von ein paar anderen. Priorisieren will ich also lieber nicht, sagen wir: besonders überrascht waren wir von dieser Kombination: Blanchierter Salicornes, Forellenrogen, Monkey 47 Gin. Der unheimlich aromatische Gin geht nicht unter, er ergänzt mit seiner preiselberigen Note den salzigen Forellenrogen. Der Salicornes und die Auster harmonieren wegen des Salzwasser-Geschmacks (beim einen weniger, beim anderen mehr), sowieso. Sensationell toll.

Außerdem hatten wir noch:
Kerbel und Riesling: Das hat mich begeistert – der Riesling war ganz deutlich zu schmecken, völlig anders und viel feiner als die Säure von noch so gutem Essig auf der Auster. Der Kerbel mit seiner ganz eigenen Würzigkeit ist durchaus in beträchtlicher Menge in das kleine Schüsselchen und dann auf die Austern gewandert. Auch ein klitze-kleiner Spritzer Olivenöl war dabei. Die Ehre, die Auster aus nächster Nähe kennenzulernen hatte übrigens ein Riesling von Albrecht Engel in Rheinhessen. Vom Ausflug zu ihm werde ich im Rahmen meiner kleinen Wein-Tour-Berichte-Reihe auch noch erzählen.

Grüne Tomaten & Chili: Eine klassischere Salsa als die mit Mango. Die grünen Tomaten sind sehr fest und fast schon grasig im Geschmack, Chili, Zitronensaft und Koriander ergänzen sie zu einer würzigen Beigabe, die der Auster aber viel Platz für ihren eigenen Geschmack lässt.

Austern mit 5 verschiedenen Toppings

Neben dem Rheinhessen-Riesling von Albrecht Engel, der sich ganz wunderbar zu allen unserer Kreationen und den Austern gemacht hat, haben wir ein weiteres Experiment im Glas gewagt: Die Martin Müllen Spätlese, die ich hier zu einem Dessert schon einmal ausführlicher verkostet habe. Das war auch ziemlich gut, fanden wir. Die scharf-salzig-säuerlichen Toppings und die salzig-herben Austern sind von der Süße der Spätlese ziemlich schön aufgefangen worden. Das war in Kombination tatsächlich recht harmonisch, wenn natürlich auch völlig anders, als die klassische Variante mit dem Riesling.

Die Austern-Story ist definitiv to be continued…