Fleisch, herzhaft
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Bayerisch-Italienisches Boeuf Bourguignon, Kräuterbandnudeln & ein Spitzen-Spanier

Kräuterbandnudeln mit Boeuf Bourguignon

Das, was ich meinen Gästen als Boeuf Bourguignon verkauft habe, war eigentlich keins. Der französische Klassiker mit Rindfleisch (check) und Burgunder (da liegt der Hund – ähm die Zutat begraben), war eben nur so grob nach dem französischen Klassiker-Rezept gekocht. Wie ich das ja gerne mal frei interpretiere, wenn mir das Rezept nicht so 100%ig in den Kram passt. Es hat sich allerdings niemand der Anwesenden beschwert – deswegen gehe ich davon aus, die nur halb klassisch-französische Variante kann man so durchgehen lassen. Es gab also französisches Boeuf (das genauer gesagt in Bayern aufgewachsen ist), gekocht nicht in Burgunder, sondern in toskanischem Rotwein. Wenn ich jetzt auch noch verrate, dass es dazu einen sensationellen spanischen(!) Rotwein gab – naja, was hatten wir dann? Europäisches Crossover Gulasch?!

Das europäische Crossover Boeuf braucht Zeit. Viel Zeit, wie das Schmorgerichte so an sich haben. Umso mehr freut man sich, wenn das gute Gulasch (?!) dann nach mehreren Stunden (in diesem Fall ganze 7 (ja sieben), 5 hätten womöglich auch gereicht) auf der Zunge zergeht. Ich denke, die Zubereitung am Vortag ist durchaus eine Option – in meinem Fall ist der Schmortopf einfach schon mittags in den Ofen gewandert.

Das Rezept gibt eine Menge für 6 Personen her. Auch für 4 hätte ich vermutlich die gleiche Menge gekocht. Das Fleisch lässt sich ja ganz wunderbar auch noch in den Tagen danach essen.
1,5 kg Rinderschulter in große Würfel (ca. 7 cm) schneiden (vorher von Sehnen usw. befreien, außer man mag das). Einen Bräter mit Deckel auswählen und die Fleischwürfel darin nach und nach portionsweise rundherum scharf in Öl anbraten. Danach eine Hand voll Speckwürfel (am besten natürlich frischer, geräucherter Speck vom Metzger, keine fertigen Würfel aus dem Supermarkt – ginge aber auch) im Bräter auslassen, eine große gewürfelte Karotte, eine große Hand voll gewürfeltem Knollensellerie, eine gewürfelte Zwiebel, ein wenig gewürfelte Fenchelknolle und zwei Zehen geschnittenen Knoblauch dazu geben und anbraten. Das Fleisch zurück in den Schmortopf geben, ca. 1/4 Tube Tomatenmark dazu, mit Salz und Pfeffer würzen, außerdem 3 Lorbeerblätter mit hinein legen.
Jetzt – Achtung – mit toskanischem Rotwein (bitte kein Fusel, der macht auch keine gute Sauce! – dann lieber von der Toskana abweichen..) auffüllen, sodass das Fleisch nur knapp bedeckt ist. Bei ca. 150° für mindestens 5 Stunden in den Ofen stellen.
Zwischendurch habe ich den Topf immer mal rausgenommen und wieder Rotwein nachgegossen (es war sogar auch mal ein Becher Wasser dabei..) Insgesamt sind ca. 1 Liter Rotwein und 0,25 Liter Wasser in dem Topf verschwunden.

Irgendwie klassisch sollte mein Boeuf ja werden – also habe ich, wie man das oft so sieht, Zwiebelchen und Pilze dazu serviert. Es gab halbierte, weiße italienische Schalotten statt Perlzwiebeln und Champignons sowie Steinpilze. Die Schalotten schälen, halbieren und in mit Meersalz und Puderzucker versetztem Wasser weich kochen. Die Pilze in mundgerechte Stücke schneiden und kurz vor dem Servieren sehr scharf anbraten – zum Beispiel in einer Grillpfanne. Beides direkt auf dem Fleisch anrichten, nicht untermengen.

Kräuterbandnudeln - Mercato Nudelmaschine

Nudelmaschine von Mercato

Als ich mich so durch verschiedene Rezepte und Blogs gelesen habe, konnte ich feststellen, dass Nudeln per se zum Boef Bourguignon verpönt sind. Kartoffeln ist die Beilage to eat offenbar – oder aber Baguette. Französisch eben. Ich bin nun erstens kein Kartoffel-Fan und zweitens ein Nudeln-Fan. Außerdem handelt es sich ja bei dem Gericht wie schon geklärt um mindestens einen halben Italiener, Nudeln waren also meine erste Wahl. Und weil zwischen Fleisch in den Ofen stellen und wieder heraus holen so schön viel Zeit war und überhaupt selbst gemachte Nudeln einfach vorzüglich schmecken – gab es natürlich selbst gemachte Nudeln dazu. Zur Feier des guten Essens und des guten Weins dazu und überhaupt – weil man das ja gern macht für nette Gäste.

Ich finde Nudeln selber machen ist total einfach – natürlich vorausgesetzt man hat eine Nudelmaschine – selber ausrollen würde ich den Teig jetzt auch nicht wollen. Ich habe eine Mercato Atlas 150 und bin damit uneingeschränkt zufrieden. Beim Teig variiere ich immer ein bisschen. Diesmal ist mir tatsächlich eine super Mischung gelungen, nicht zu weich und nicht zu hart. Regel ist 100g Mehl auf 1 Ei. Normalerweise habe ich meist nur Hartweizengries genommen, da wird der Teig mitunter recht hart und etwas schwieriger zu verarbeiten.

Diesmal war die Mischung (für 6 Personen als Beilage) folgende: 200g Hartweizengries (z.B. von Granoro), 100g “normales” Mehl, 3 Eier. Außerdem habe ich aus einer flavour-spielerei heraus ein großes Stück Butter (ca. 80g) in einem Topf zerlassen und darin bei sanfter Hitze Petersilie, Rosmarin und zwei Zehen Knoblauch ziehen lassen. Die Butter dann durchgesiebt ebenfalls mit in den Teig geben, außerdem den Teig salzen. Die Butter kann man natürlich auch einfach weglassen – schmeckt aber lecker. Alles gut verkneten (am besten mit der Hand – für den Knethaken ist das meist zu bröselig) und in Frischhaltefolie mindestens eine Stunde in den Kühlschrank legen. Später portionsweise mit der Nudelmaschine ausrollen und in Bandnudeln schneiden. Kurz bissfest garen, abschütten, buttern und zum Boeuf servieren.

Dazu hatten wir einen wirklich sensationellen spanischen Rotwein. Der hat sogar die Nicht-Rotwein-Trinker überzeugt, ist ja meist ein gutes Zeichen. Besllum heißt der gute Tropfen vom Weingut Celler Malondro und schmückt sich neben anderen Auszeichnungen mit 93 Parker Punkten. Sehr passend schafft übrigens auch der Besllum den Frankreich-Bogen, er durfte 16 Monate in französischen Barriques verbringen. Heraus kam ein würzig-fruchtiges Bouquet, von dem wir alle begeistert waren. Ebenso wie vom runden, fruchtigen, aber nicht erschlagenden Geschmack.
Für unter 10 Euro die Flasche wird der natürlich sofort nachbestellt, es war nämlich leider nur eine da und die zu sechst nach einem Glas weg. Noch mehr davon hätten wir gerne auch am Abend schon zu unserem Rind gehabt. Und danach zum Dessert. Und überhaupt.

Es gibt den Besllum 2008 momentan bei Wine in Black – auch kein Geheimnis mehr, dass ich da ganz gern mal neue Gesellschaft für die restlichen Fläschchen in meinem Weinkeller bestelle. Kann ich nur jedem (Weinkeller) empfehlen.

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2 Kommentare

  1. Steht schon längst auf meiner Liste von Gerichten, die ich endlich mal wieder kochen will! Eingedickte, weingeschwängerte Sauce und unter der Gabel zerfallene Rindfleischstückchen… yummy! Deine Version gefällt mir gut!

    Nur etwas schmeckt besser als Boeuf Bourguignon: aufgewärmtes Boeuf Bourguignon :)

    • ich muss sagen, ich wäre im Nachhinein auch froh gewesen, wenn noch ein bisschen mehr übrig geblieben wäre zum Aufwärmen ..
      wird definitiv demnächst öfters auf den Speiseplan wandern. Das ist einfach fabelhaft lecker.. ;)

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