15 Spitzenköche hinter den Kulissen, 380 schlemmende Gäste, 31.500 Euro Spenden für den guten Zweck, der vielleicht heißeste Sommertag dieses Jahres, fantastische Kreationen: Das heißt dann “Martin Fauster & Friends” oder ein Wahnsinns-Sonntag im Hotel Königshof. Zum siebten Mal schon lud Martin Fauster (Sternekoch, Küchenchef im Königshof und Gastgeber des Events) zur großen Küchenparty, und nicht nur die anderen Gäste und ich, auch die Spitzenköche inklusive Schirmherrn Eckart Witzigmann hatten sichtlich Spaß bei dem Event – war es ja doch auch für sie ein großes Familientreffen.

Martin Fauster & Friends - geschäftiges Treiben in der Küche

Wo fange ich da an zu erzählen, bei dieser Liste Highlights auf dem Teller (und an Begegnungen)? Die Frage ist mindestens so schwer wie die vielen Fragen an jenem Sonntag: Was probiere ich zuerst? (alles was gerade auf dem Weg liegt – war nämlich alles fantastisch). Was fotografiere ich als nächstes? (gleiche Antwort wie bei der ersten Frage). Was hat mir am besten geschmeckt? (sehr schwierig – dazu kommen wir noch). Kann ich das Mon Cheri Dessert von Gabi Taubenheim auch vor dem Pluma Iberico BBQ von Bobby Bräuer essen? (die Antwort ist ja – und das tut dem Geschmackserlebnis keinen Abbruch). Und: ist der schöne Nachmittag wirklich schon vorbei? (ja leider, aber zum Glück ist ja Geisels Vinothek um die Ecke).

Martin Fauster & Friends_Bildnachweis Michael Tinnefeld API

Beginnen wir also sowas wie chronologisch: Der Empfang in der Lobby hält an diesem 38Grad Sonntag auch Fächer bereit, die zum Glück nicht exzessiv genutzt werden mussten, es war recht angenehm temperiert in Küche und Restaurant – und auch die geeisten Handtücher haben ihren positiven Teil dazu beigetragen, aber das nur am Rande.. Alle Köche kamen zusammen und die Schecks wurden übergeben, es handelt sich ja wie gesagt und auch das in Tradition um eine Benefiz-Veranstaltung. Philipp Lahm, für dessen Stiftung für Sport und Bildung ebenfalls 15.000 Euro gespendet wurden, konnte leider nicht wie sonst dabei sein (ich glaube ja, für so ein Event hätte er das mit dem Fußball gern mal einen Tag lang sein lassen..). Weitere 15.000 Euro gingen zu Gunsten der Lichtblick Seniorenhilfe e.V., und auch die Bayerische Sportstiftung durfte sich über 1.500 Euro freuen.

Milchkalbskeule im Salzteig

Im ersten Stock unterteilt sich der Himmel für Gourmets dann in drei Bereiche: sowohl im Restaurant, als auch im Salon und natürlich in der Küche wird gekocht. Die Gäste stauen und beobachten, verputzen von kleinen Tellerchen die Gaumenfreuden und tauschen das eine oder andere Wort mit den Köchen – schöner könnte es nicht sein. Die Atmosphäre ist locker, das Essen ist herrlich (kann ja nicht oft genug erwähnt werden) und die Küche ist, nicht nur für mich, der beste Platz. Nicht umsonst gibt es in Top-Restaurants die beliebten Chefs Tables – in der Küche ist es einfach am spannendsten. Da wird Kunst auf den Teller gerichtet, in großen Topfen gerührt oder auch mal eine ganze Milchkalbskeule im Salzteig zerlegt. Und in diesem (aber sicher auch in anderen Fällen) mal ein Gläschen Champagner genossen.

Martin Fauster & Eckart Witzigmann

Leider konnte ich nicht ständig überall sein – und daher sind mir auch ein paar Gerichte und Köche ausgekommen und weder auf dem Foto noch auf meinem Teller gelandet. Schön gelöst war dieses “Problemchen” mit großen Bildschirmen, die ständig das Geschehen aus den anderen Räumen live übertragen haben – Sportmoderator Markus Othmer führte durch den Nachmittag und hat alle Köche interviewt. Mir sei also verziehen, dass ein paar Bilder “fehlen” und ich nicht zu jedem Gericht kompetent berichten kann, wie es geschmeckt hat.
Gut dass es eine Menükarte gab und ich deshalb also wenigstens vollständig berichten kann:

Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann war gleichzeitig Schirmherr der Veranstaltung und den ganzen Nachmittag vor Ort, genau gesagt am Pass in der Küche. Nach seiner Vorspeise – Avocado-Buttermilchkaltschale mit Saibling und Koriander – richtete er jeden einzelnen Teller von Martin Fausters Gängen mit an. Er ist es auch, der auf dem Titelbild ebenso akribisch wie liebevoll den perfekten Rehrücken in den Genuss seiner Jus kommen lässt. Aus Martin Fausters Kochtöpfen gab es:
Flusskrebse mit Stachelbeeren und Stangensellerie, Milchkalbskeule im Salzteig mit Buchweizen-Zwiebel-Crêpe und Rehrücken im Ganzen mit Kaffeepovesen und Kohlrabi.

Milchkalbskeule mit Buchweizencrepe - Martin Fauster

Milchkalbskeule mit Buchweizencrêpe – Martin Fauster

Hans Haas Makrele auf CiabattaHans Haas (2*, Tantris – München) reichte eine Gänseleberzigarre mit Mango und marinierte, bretonische Makrele auf geröstetem Ciabatta.

Norbert Niederkofler (2*, St. Hubertus – St. Kassian) überraschte mich vor allem mit seinem Dessert. Das grüne Apfelsorbet mit gebrannten Latschen und Marshmallows bot ein derart tolles Spiel aus Konsistenzen und Aromen, dass man wirklich ins Schwärmen kommen konnte. Das frische, säuerliche Apfelsorbet war der genaue Gegenpol zum weichen, warmen und süßen Marshmallow – und die gebrannten Latschen: wow. So stellt man sich vor, Wald schmeckbar zu machen. Außerdem gab es bei dem Südtiroler noch Risotto mit Schweinskopf, Erbsen und Grammeln.

Ali Güngörmüs Seeforelle mit Pak Choi
Ali Güngörmüş (1*, Le Canard Nouveau – Hamburg) zauberte eine sicherlich ausgezeichnete knusprige Togarashi Seeforelle mit Pak Choi. Sie sah jedenfalls fantastisch aus – das fanden neben mir auch noch weitere Gäste, deswegen hatte ich leider immer wenn ich vorbei kam Pech und hatte nicht die Gelegenheit zu probieren. Ich hoffe die wird sich wann anders noch einmal ergeben, tatsächlich bin ich nämlich ein Fan von Güngörmüş Küche (wenn auch bisher unprobiert), seit ich schon vor Jahren einmal eine ausführliche Reportage über ihn und sein Restaurant in Hamburg gesehen habe.

Bobby Bräuer (1*, Esszimmer, BMW Welt – München), den ich ja schon eine Woche zuvor beim Kochevent in Shanes Restaurant kennenlernen durfte, hatte seine Kochstation ebenfalls in der Königshof Küche, gleich neben Norbert Niederkofler. Bei ihm gab es Pulma Iberico BBQ – und ich habe nicht nur einen Gast gesehen, der einer zweiten (oder dritten?) Portion nicht widerstehen konnte..

Pluma Iberico BBQ - Bobby Bräuer

Pluma Iberico BBQ – Bobby Bräuer

Thomas Kellermann (2*, Kastell – Wernberg) hätte es mit seinem ersten Gang – Gazpacho mit Szechuangurke und Garnelen – für diesen Sommertag besser nicht treffen können. Im zweiten Gang reichte er Poltinger Lamm mit Cous Cous und Oliven.

Gazpacho mit Szechuangurke & Garnelen - Thomas Kellermann

Gazpacho mit Szechuangurke & Garnelen – Thomas Kellermann

Tohru Nakamura - Südostasiatische Aromen, Weizenkeimlinge, PonzugranitéeTohru Nakamura (Geisels Werneckhof – München) war für mich die Entdeckung des Nachmittags und ich war nicht die einzige, die sich sicher war, dass von ihm noch viel zu hören sein wird. Ganz bald werde ich nach der Sommerpause auch mal zu ihm ins Restaurant gehen und mehr als nur einen Gang genießen. Wahrscheinlich habe ich noch nie eine derart köstliche, modern asiatische Kreation auf meinem Teller gehabt: Südostasiatische Aromen, marinierte Weinzenkeimlinge und Ponzugranitée waren Geschmacksfeuerwerk und Augenöffner zugleich. Bitte mehr davon. Und auch das Dessert vom Werneckhof (genauer von Pâtissière Annegret) konnte sich mehr als sehen lassen: I like berries by Annegret verfeinert mit Limonolio à la Tucci.

Christian Scharrer (2*, Buddenbrooks – Travemünde) zauberte laut Menü-Karte einen gefüllten Ochsenschwanz mit Périgord Trüffel, den ich leider (!) komplett verpasst habe.

Thomas Kahl (1*, Es Fum – Mallorca) reiste für das Event extra von der deutschen liebster Insel an – und hatte vermutlich bei uns sogar noch sommerlichere Temperaturen. Sein mediterraner Teller mit Kabeljau im Paellasud und Bohnen brachte ebenfalls ein Stück Spanien mit mallorquinischer Meeresbrise an den Stachus.

Thomas Kahl - Kabeljau im Paellasud und Bohnen

Thomas Kahl – Kabeljau im Paellasud und Bohnen

Dieter Koschina (2*, Vila Joya – Albufeira) hat definitiv einen meiner Lieblingsgänge an diesem Nachmittag dabei gehabt. Langostino mit Rhabarber und Perzwiebeln waren so stimmig und einfach köstlich, dass ich ihn am liebsten belagert hätte um mir genau das Rezept erklären zu lassen.

Dieter Koschina - Langostino mit Rhabarber & Perlzwiebeln

Dieter Koschina – Langostino mit Rhabarber & Perlzwiebeln

Alois Neuschmid (1*, Lois – Rottach-Egern) hat im November 2012 einen echten Überraschungs-Michelin-Stern mit seinem schönen “Lois” im Herzen von Rottach-Egern geerntet. Gemütlich, schlicht und ohne Schi-Schi bleibt er auch nach dem Stern – zum Glück – seiner Philosophie treu und ist damit das “legere Sternerestaurant” am See (und das sage ich jetzt nicht aus Heimat-Patriotismus). Sein Zander Grenobler Art und das Milch & Schokolade Dessert haben diesen wunderbaren Eindruck nur bestärkt.

Reimund Brunner (Hotel Gardena Grödnerhof – Südtirol) hatte Ravioli von der Holzkohle dabei und zwar gefüllt mit Latica von der Ziege, Sommertomaten und Kräuterpesto. Sah nicht nur fabelhaft aus, schmeckte auch so. Beim nächsten Südtirol-Besuch werde ich sehen, dass ich den Grödnerhof auf die Route setze..

Gabi Taubenheim (Königshof – München), die Chef Pâtissière des Königshof und ihr Team haben an diesem Abend bezaubert und sicher die süßen Gaumen und Herzen aller Anwesenden gewonnen. The Duke mit Gurke, Zitrone und Pfeffer war eine herrlich frische Kombination meines Münchner Lieblings-Gins und ein echter Frische-Kick an diesem heißen Sonntag. Die gefüllten Mon Chéri Kirschen mit Kirschsorbet und sagenhafter Schokolade waren einfach nur ein Traum und der Millirahmstrudel mit Mieze Schindler hat ebenfalls mehr als breite Lächeln auf die Münder gezaubert.

Gabi Taubenheim - Duke, Gurke, Zitrone, Pfeffer

Gabi Taubenheim – Duke, Gurke, Zitrone, Pfeffer

Bernard Antony (Maître Fromager aus Vieux Ferrette, Elsass) habe ich last und wirklich not least ans Ende dieses Artikels gestellt – Käse schließt ja dem Sprichwort nach den Magen. Und wenn es einen Käse-Gott gibt, dann ist der mit Monsieur Antony & seinem Käsewagen sicherlich sehr freundschaftlich auf Du und Du…

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