Mein Blick in das Restaurant Königshof
und Martin Fausters Küche

Das Restaurant Königshof am Münchner Karlsplatz steht seit Jahrzehnten für Tradition und Gastgebertum, Erinnerungen, kulinarische Werte und Herzlichkeit. Für mich war die Möglichkeit, Martin Fauster und sein Team bei Ihrer Arbeit zu begleiten, Emotion und Handwerk zu dokumentieren gleichermaßen Ehre wie Freude. Und ein großer Wunsch – geht doch mit dem 31. Dezember 2018 und der Schließung des Königshofes in seiner heutigen Form eine echte Ära des zu Ende. Noch nie gab es hier auf culinarypixel eine so große Fotoreportage. Kein einziges der Bilder möchte ich missen.

Die Welt hinter den königsblauen Markisen

Auf die Fassade des Königshofs fällt der Blick bei jedem Besuch an Münchens Hauptschlagader: unweigerlich sieht man am Stachus das markante 70er-Jahre-Gebäude zwischen Kaufhof und Justizpalast. Die Fischglas-gleichen Fenster, die königsblauen Markisen. Hinter der vollverglasten Fensterfront im ersten Stock könnte der Kontrast nicht stärker sein. Ruhe und Gediegenheit umgibt einem am Tisch, während man den Aperitif genießt – das erste Service-Ritual, das per Wagen den Weg zum Gast findet. Draußen trägt die wuselnde Menge die letzten Einkaufstaschen des Tages nach Hause, huscht in die Trambahn und der Verkehr pulsiert auf der Sonnenstrasse. All das wirkt hier oben, in den alten Polsterstühlen und hinter den schweren Vorhängen, durch die großen Fenster wie ein Miniatur-Wunderland von Münchens Stadtzentrum.

Restaurant und Historie

Der Königshof ist ein Restaurant, das man vielleicht erlebt haben muss, um es zu verstehen. Und als Gesamt-Paket begreifen: mit all seiner historischen Tiefe, mit all den Erinnerungen, Gesprächen, Ereignissen, Feiern und Anlässen, die diese Räumlichkeiten schon gesehen haben. Und all den Emotionen der vielen Menschen, die die geschwungene Marmortreppe hier hinaufgestiegen sind, in Erwartung von all dem.

Schon seit 1938 ist der Königshof (ganz ursprünglich ein 1866 als “Hotel Bellevue” errichtetes Gebäude) im Besitz der Familie Geisel. 1944 im zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört wurde der Königshof als Luxushotel 1955 fertiggestellt, 1970 folgte dann die Generalrenovierung zum Gebäude wie es heute noch steht. Wegen seiner relativ jungen Gebäude-Geschichte ist der Königshof zwar kein Baudenkmal, ist aber auf Grund seiner historischer Bedeutung dennoch in der Denkmaltopographie der Denkmäler in Bayern verzeichnet.

Von gelebter Tradition

Klassisch und traditionell? Ja sicherlich, aber nicht ohne auf dem Teller mit der Zeit gegangen zu sein. Altbacken oder verstaubt? Nein, sicher nicht.
Der Königshof ist kein Museum, dafür gelebte Tradition, gelebte klassische Gastronomie, gelebte Passion für beste Grundprodukte, perfektes Handwerk, Akribie und vor allem Genuss, das beste Erlebnis für den Gast als übergeordnetes Ziel.

Stolz und Tradition schwingen im Königshof in jeder gestärkten Serviette und jeder silbernen Hummergabel mit, und das ist schön so, das darf so sein und das muss es hier vielleicht sogar. Und ja: ein bisschen Verschrobenheit im traditionellen Kleid zwischen den alten Kupferstichen längst überholter Büffet-Aufbauten und den schweren Quasten an den Vorhang ist da – und das macht diesem Ort zu dem, was er ist. Und genau das wird es auch so unglaublich schwer machen, dieses Monument an gelebter gastronomischer Klassik, Tradition und Gastgebertum gehen zu lassen, am Ende diesen Jahres.

In Martin Fausters Küche
von Passion und Akribie

Martin Fausters Küche ist groß, um nicht das Wort “riesig” in den Mund zu nehmen. Zum diesjährigen Jahres-Wohltätigkeits-Event “Fauster & Friends” standen 9 Spitzenköche in Reihe an dem langen Pass – der Mittelpunkt der Küche, die schon unzählige hervorragende Köche ausgebildet und gesehen hat. 2004 kam Martin Fauster aus dem Tantris als Küchenchef in den Königshof.

Für Fauster und sein Team um Franz-Josef Unterlechner und Gabi Taubenheim sind dieser Beruf – und dieser ganz spezielle Ort zu arbeiten – mehr als ein Job. Die Passion für Ihren Beruf ist ihnen Berufung geworden, das müssen sie mir nicht erzählen, das sehe ich in ihren Gesichtern durch meine Linse, an ihrer Konzentration und an ihrer Freude am Ergebnis. Wer Herrn Fauster mit höchster Akribie und Hingabe an seinem Fischposten arbeiten sieht weiß, dass er das aus Überzeugung tut, dafür lebt mit Produkten solcher Qualität arbeiten zu können und am Ende seine Gäste glücklich damit zu machen. 

Unterlechner und Gabi Taubenheim sind dieser Beruf – und dieser ganz spezielle Ort zu arbeiten – mehr als ein Job. Die Passion für Ihren Beruf ist ihnen Berufung geworden, das müssen sie mir nicht erzählen, das sehe ich in ihren Gesichtern durch meine Linse, an ihrer Konzentration und an ihrer Freude am Ergebnis. Wer Herrn Fauster mit höchster Akribie und Hingabe an seinem Fischposten arbeiten sieht weiß, dass er das aus Überzeugung tut, dafür lebt mit Produkten solcher Qualität arbeiten zu können und am Ende seine Gäste glücklich damit zu machen. 

Was zählt: Genuss und Gastgebertum

Ganz besonders deutlich in Erinnerung bleiben wird mir dieser Abend auch, weil ich so nah erleben durfte, was die Essenz von Martin Fausters Küche und dieses Restaurants wirklich ist: Genuss. Geschmack und Gastgebertum.

Diese Essenz präsentiert sich mir in einer kleinen, alten Espressotasse mit dem Königshof-Emblem aus einer anderen Zeit. In Form von einem Steinpilz-Kartoffel-Fond, der mich umhaut. Mit den Worten “Frau Sandner, das müssen Sie probieren!” aus Martin Fausters Mund. Gespanntes Abwarten, er sieht die Entzückung auf meinem Gesicht. “Toll, wieder das erste Mal Steinpilze schmecken im Jahr, oder?!”. Ja, in der Tat. Ich hab es jetzt noch auf der Zunge.

Garnicht zu reden von “meinem” Hummer, den sich Herr Fauster nicht nehmen lässt, nachts um 23.30 Uhr, extra für mich. Serviert in der am wenigsten glamourösen Umgebung des ganzen Stockwerks – und gerade deswegen so unglaublich viel wert. Weil es hier eben gerade garnicht auf das Äußere ankommt, sondern um die Intention dahinter geht. Oder die Schachtel Mieze Schindler Erdbeeren, liebevoll verpackt von Gabi Taubenheim, die möchte, dass ich es mir gut gehen lasse damit, und sie genieße, in der Sonne. Das habe ich – jede einzelne davon.

Mit so viel ehrlicher Passion und Freude einen Beruf ausüben, das ist eine Seltenheit geworden. In Zeiten, in denen die Gastronomie um Nachwuchs ringt, sind diese Eigenschaften ein umso wertvolleres Gut – genauso wie echtes Handwerk und Wertschätzung für beste Grundprodukte. 

Noch bis zum 31. Dezember 2018 bleibt das Restaurant Königshof geöffnet. Wer noch die Chance hat zum Lunch oder zum Dinner ein paar schöne Stunden zu genießen, dem sei dringend dazu geraten.

Restaurant Königshof
Karlsplatz 25
80335 München
+49 (0)89 55136-6142