Ich habe einen neuen Lieblingsplatz. Und ich habe nicht so viele Lieblingsplätze, weil ich dazu viel zu gerne Neues ausprobiere. Ein Lieblingsplatz will in meinem Verständnis also schon was heißen: nämlich dass ich mich da unglaublich wohl fühle und finde, dass da alles passt. Natürlich ist sowas immer eine persönliche Betrachtung ohne Anspruch an Objektivität, ich würde aber mal meinen sechs begeisterte FoodBlogger zum Stammtisch heißen auch was. Und dass ich es weniger als eine Woche später schon wieder getan habe. Im Upper Eat Side in Obergiesing Freunde treffen, Essen, Wein trinken, Achtung: Wein mitbringen, einen tollen Abend haben, und nicht mehr heim wollen.

Beef Burger Upper Eat Side

Beef-Burger – Kopfsalat Pesto und Herz – Confiertes und Bergkas

Aber von vorne. Die Ohren sind ja immer aufgesperrt für neue Gastro-Empfehlungen. Vom Upper Eat Side hatte ich schon gehört und auch vernommen, dass der Fokus nicht nur auf dem Essen, sondern auch auf dem Wein liegt, was ich über alle Maßen angenehm finde.

Ewald Zweytick Sauvignon Blanc

Ewald Zweytick Ried Stermetzberg

Bedauerlicherweise kommt die Weinkarte in vielen wirklich recht guten Restaurants total zu kurz und niemand ist dort, der sich mit der Materie auskennt – geschweige denn, dass man unkompliziert etwas neues Entdecken könnte. Das Upper Eat Side ist eine ganz tolle Ausnahme und bietet in lockerer, unkomplizierter Atmosphäre das, was leider noch viel zu selten findbar ist: Spaß am Wein! Jochen Kreppel berät, empfiehlt, gibt ein Gläschen zum probieren. Dass auch Wein mitgebracht werden kann (zum Korkgeld von 12 Euro) finde ich außerdem sehr schön – das gibt es in München leider noch viel zu wenig – und das beflügelt die Gespräche rund um den Lieblings-Riesling, den passenden Wein zum Hauptgang oder den „Champagner“ aus der Steiermark. Und macht einfach Spaß. Viel mehr als verkrampftes Degustieren und „sich-nicht-fragen-trauen“.

Zum Aperitif hatte ich einen sehr schönen Muskateller Sekt vom Weingut Polz in der Steiermark, auch auf der Karte sind die Biere der Ale Werkstatt, von denen die anderen am Tisch durchaus überzeugt schienen.

Upper Eat Side Lachsforelle

Lauwarm und roh marinierte Lachsforelle – Gurkensud

Die Tageskarte bietet sechs verschiedene kleine Köstlichkeiten für jeweils 6 Euro und wir haben sehr gerne den Vorschlag angenommen, gleich alle auf einmal zu probieren.

Ochsenbeinscheibe Polenta Upper Eat Side

Ochsenbeinscheiberl – Cremepolenta – Salbei

Dass Fisch auch seinen festen Platz auf der Karte hat, sowohl bei den Kleinigkeiten, als auch später beim Hauptgang finde ich sehr schön – auch das findet sich nicht überall. Das mag ganz sicher auch an einer von Jochens vorherigen Stationen – nämlich dem Atlantik Fisch beim Schlachthof – liegen. Außerdem passen die feinen Fisch-Kreationen natürlich toll zur breiten (Weiß)Weinauswahl, die ihren Fokus soweit ich das bisher gesehen habe stark auf Österreich und Deutschland hat. Für uns gab es Ried Stermetzberg Sauvignon Blanc von Ewald Zweytick aus Ratsch an der Weinstraße in der Steiermark.

Zur Auswahl standen also erstmal:

Bachforelle kross – Linsen – Wurzelgemüse
Lauwarm und roh marinierte Lachsforelle – Gurkensud
Ochsenbeinscheiberl – Cremepolenta – Salbei
Risotto „grüner und weisser Spargel“
Beef-Burger – Kopfsalat Pesto und Herz – Confiertes und Bergkas
Entenbrust – grüner Grillspargel – Orangenjus

Bei meinem zweiten Besuch hat die Wochenkarte nicht minder Appetit gemacht. Die aktuellen Karten gibt es übrigens auf der Upper Eat Side Facebook Seite.

Lachsforelle kross – frische Erbsen, Creme und Salat
Filetkopf-Tagliatta – grüner Spargel
Knusperziegenkäse – Himbeersenf
Saiblingstatar – Crostini
Weißer Stangenspargel – Bachkresse – Hollandaise
Risotto „Borretsch + Gurke“

T-Bone Steak Upper Eat Side

Ganzes T-Bone Steak mit Kräuterbutter

Zum Hauptgang haben wir uns sowohl auf einen ganzen Saibling, als auch auf ein ganzes T-Bone Steak gestürzt. Der Fisch war sehr gut, und das Steak… hat ganz sicher zu den besten paar Steaks gehört, die ich je gegessen habe. Wir waren uns am Tisch einstimmig einig, dass sich da so mancher selbstbeweihräuchernder Steakhaustempel eine Scheibe abschneiden sollte. Erstens zum Probieren und dann zweitens selbst genauso gut machen. Großes T-Bone Gaumenkino also zum am Tisch selbst aufschneiden und mit einer rustikalen Pfanne Gemüse sowie Rosmarinkartoffeln zu genießen.
Dazu hat uns Jochen den Amistar von Peter Sölva aus Südtirol empfohlen. Eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Lagrein, 5% Cabernet Franc und 5% Petit Verdot. Ziemlich spannend und ein schöner Anlass zum Fleisch auch noch ein bisschen über den Wein im Glas zu philosophieren.

Peter Sölva Amistar Upper Eat Side

Peter Sölva Amistar Upper Eat Side

Einen weiteren Wein für diesen Abend hatte ich selbst dabei: den Riesling Orbel von Lisa Bunn aus Rheinhessen, der in unserer Runde viele neue Fans gewonnen hat. Übrigens ebenso wie der Westhofener Riesling von Katharina Wechsler, den ich bei meinem zweiten Besuch dabei hatte. Und der Riesling Magic Mountain von Leitz hat in mir einen Fan gewonnen – den durfte ich nämlich auf Jochens Empfehlung neu entdecken.

Zwar zum Schluss aber deswegen nicht minder wichtig erwähnt: das Dessert (Himbeersorbet– hmm! und Melonensüppchen) und das feine Birnensorbet zwischendurch. Für diese Traum-Konsistenzen ist natürlich Profi-Werkzeug am Werk, davon träume ich mit meiner „normalen“ Eismaschine nur. Aber das – und überhaupt alles (ich wiederhole mich gleich wenn ich das nochmal alles aufzähle) gibt ja Anlass, ganz bald wieder zu kommen. Auf ein Glas Riesling, oder zwei.

Alle Bilder sind übrigens vom meinem ersten Besuch, beim zweiten Mal durfte sich die Kamera zu Hause ausruhen.

UPPER EAT SIDE
WERINHERSTRASSE 15
81541 MÜNCHEN
TELEFON: 089 39 29 26 89