Die Welt der Spirituosen und Getränke überhaupt ist so facettenreich, dass es schon sehr viel Beschäftigung braucht, sich damit ernsthaft auszukennen. Da geht man vor nach Vorlieben – und die liegt bei mir einfach ein gutes Stück weiter beim Wein, und vielleicht auch dem Gin, als beim Whisky. Was nicht heißt, dass man nicht grundsätzlich am liebsten alles wissen (und probieren!) würde. Deswegen habe ich mich auch außerordentlich über die Einladung von Ardbeg zum Ardbog Pre-Tasting in der Münchner Bar Gabiány gefreut – eben gerade um meine zugegeben ausbaufähigen Whisky-Kenntnisse zu vertiefen, etwas neues kennenzulernen und mich begeistern zu lassen. Whisky, insbesondere auch die Islay Single Malts, haben es mir seit letztem Freitag mehr angetan als ich es vermutet hätte – und sie rutschen auf meiner Beschäftigungs-Zeit-Skala bestimmt ein gutes Stück nach oben.

Ardbeg Whisky - Ardbog Tasting

Es gibt ja Geschmäcker, die sind schon beim ersten Kennenlernen angenehm, andere weniger. Sicher persönliches Empfinden – aber Vanille oder sanfte Zitrusnoten sind mindestens für meinen Gaumen offenbar zugänglicher als Torf und Rauchigkeit. Und sicher auch einfacher. Ich denke es braucht Gewöhnung und eine gewisse Geschmacksoffenheit um sich auch auf komplizierte Geschmäcker einzulassen, sie sich entfalten zu lassen und dann ihre Vielschichtigkeit zu erkennen. Und dass ein torfiger Whisky mit einer stattlichen Zahl Umdrehungen nach Butterkaramell schmeckt ist dann eben auch nicht so einfach zu erkennen, wie die Tatsache dass ein Stück Butterkaramell nach Butterkaramell schmeckt.

Ardbeg Verkostung in der Bar GabányiWarum trete ich das jetzt breit mit den Geschmäckern und Zugänglichkeiten und Befindlichkeiten? Weil ich kein besonderer Whisky-Fan war. Ich habe schon welchen getrunken, wenn sich die Gelegenheit ergab und sicher auch die Handwerklichkeit zu schätzen gewusst und denke ich auch Qualitätsunterschiede beurteilen können – aber ich “mochte” ihn nie besonders. Die milderen mehr als torfigen (und das hat sich jetzt sicher auch nicht um 180° gedreht) – aber nach meinen Geschmackserlebnissen vom letzten Freitag muss ich sagen: mir haben diese Ardbegs echt geschmeckt. Auch wegen der Rauchigkeit, auch wegen des Torfs. Und wegen ihrer Unterschiedlichkeit.

Die Verkostung begann mit einem Cocktail (die Bar Gabányi ist übrigens auch ohne Whisky unbedingt mal einen Besuch wert!) – der schon auf einen halben Meter Entfernung rauchig-fruchtige Noten verströmt hat, dass ich ganz von den Socken war. Blood & Sand hieß die verführerische Mixtur aus 3cl Ardbeg ten years, 2cl Kirschlikör, 2cl rotem Wermut und 3cl frisch gepresstem Orangensaft. Eine wunderbare Einstimmung, die mich mit ihrer unglaublichen Balanciertheit zwischen Frische, Frucht und kräftiger Rauchigkeit wirklich begeistert hat.

Ardbeg Tasting FlaschenDann kamen wir in Gefilde, in denen ich schon weniger firm war. Start mit Ardbeg 10 years. Wohoo – und ich hätte das ja nicht geglaubt – aber ich braucht davon unbedingt eine Flasche zu Hause! Ich glaube ja, ich habe immer falsch probiert. Jetzt habe ich das gelernt und gestaunt. Wirklich. Ein Schlückchen für ein paar Sekunden im Mund auf der Zunge lassen, dann erst runter schlucken, einatmen und überrascht sein dass und wie viele Aromen sich im Mund entfalten. Faszinierend geradezu. Ich glaube ich stand in dieser Bar wie ein kleines Kind, habe große Augen gemacht und die anderen gefragt, ob sie auch so tolle Sachen schmecken. Ist ja nicht so, dass mein Sinn für Sensorik nicht vorhanden wäre – nur mit Whisky hat er sich ganz offenbar nie ausreichend beschäftigt.

Weiter ging es mit Uigeadail und Corryvreckan, die beide noch deutlich kräftiger daher kommen. Ganz interessant fand ich, dass z.B. der 10 years auf der Zunge und im Mund eher milder geworden ist für mein Empfinden, andere weniger. Uigeadail bedeutet übrigens frei übersetzt so viel wie “dunkles Loch” und benennt die Quelle, aus der das torfige Wasser für die Ardbeg Brennerei gewonnen wird. Ein bisschen Mystik und Dunkelheit passt auch durchaus zum Geschmack, wenn man mal die Übersprung-Vergleiche zu Rate ziehen will. Ich glaube warme, fast schon weihnachtliche Aromen zu erschmecken und habe den Uigeadail wahnsinnig lange noch auf der Zunge. Auch hier also – wow.

Der Corryvreckan war für mich der am schwierigsten zugängliche – da sind wir wieder bei extremer Torfigkeit und Rauchigkeit und sehr hohem Alkoholgehalt (57,1%). Auch hier finde ich die Namensgebung ziemlich auf den Punkt. Corryvreckan ist ein – so ist zu lesen – sehr gefährlicher und wilder Meeresstrudel und genau das ist auch, was einem bei der Verkostung in den Sinn kommt: Ungezähmtheit, Unberechenbarkeit, Naturgewaltigkeit. Im Mund explodiert er nach ein paar Sekunden förmlich und fängt an zu toben, dieser Tropfen hinterlässt in der Tat einen nachhaltigen Eindruck. Verdünnt und “gezähmt” mit ein paar Tröpfchen Wasser verliert er wenig von seiner Wucht, lässt aber seine dunklen, fast schon pfeffrigen Aromen ein Stück weiter durchblicken. Ziemlich interessant – auch im Vergleich zu den anderen verkosteten Single Malts.

Ardbog Pretasting in München

Dann der große Moment, die Ardbog limited Edition (alle sprechen in dem Zusammenhang vom Alligator, den ich scheinbar letzten Jahr verpasst habe..). Der gefällt mir ziemlich gut, jetzt habe ich ja auch schon ein bisschen Vergleichsmaterial angesammelt. Viel weniger wuchtig und torfig, fast schon filigran und mit schön herauskommenden buttrig-süßen Aromen. Es paart sich leichte Salzigkeit damit, Toffee oder vielleicht sogar doch der Iberico-Schinken liegen nahe. Jedenfalls ist er toll, einladend – komplex aber nicht zu komplex um zu gefallen. Der Name ist auch hier übrigens eine Anspielung. Die peat-bogs – die Torf-Moore oder besser die Löcher in den Torfmooren bezeichnen die Charakteristik der Isle of Islay und stehen damit für das, was diese Single Malts so besonders macht. Ich denke übrigens diese Landschaft ist unbedingt mal eine Reise wert – auch der Besuch der einen oder anderen Destille.

Wer jedenfalls in den Genuss des Ardbog kommen möchte, muss vermutlich schnell sein. Am 1.6. ist Ardbog Day – ab da (und wahrscheinlich auch nicht lange im regulären Handel) gibt es die limitierte Edition. Ich kaufe mir glaube ich mindestens Mal einen 10-jährigen, der Ardbog als Begleitung dazu wäre auch noch schön. So eine Bar (und Spirituosen-Kenntniss) will ja auch gepflegt und ausgebaut werden..

weitere Eindrücke vom Ardbog Pretasting in München und Köln gibt es übrigens bei Dinner um Acht, feed me up before you go-go und beim Küchenjungen!