Der Negroni ist ein Klassiker unter den Drinks. Und wie das mit dem Althergebrachten so ist: manchmal hat das Sinn, warum die Dinge über so lange Zeit nicht aus der Mode geraten. Vielleicht liegt es am Alter: für mich müssen die Drinks mittlerweile schlicht sein. Klar, bitter-süß, säuerlich und ehrlich – beim schieren Gedanken an Swimming Pool, Golden Cadillac, Touch Down und Co. kommt mir das kalte Cocktail-Grausen und das Verlangen nach einem Martini.

Dass Klassiker nicht mit Langeweile gleich zu setzen sind ist zwar gemeinhin bekannt, kann aber auch immer wieder aufs neue bewiesen werden. Mein letztes Negroni-Intermezzo involviert eine späte Stunde in Köln Ehrenfeld, den Summer of Supper flankierend. NordenBerlin war leider schon aufgegessen, der Kaviar auf der After-Supper-Party auch. Die Braustelle haben wir leer getrunken und das Verlangen nach einem guten Drink stieg in unserer illustren Runde so sehr, dass wir uns mit vereinten Kräften Zutritt und Barplatz in einem weiteren Lokal erkämpfen konnten. Zum Glück hat Sebastian die lebensnotwendige Grundversorgung übernommen, sich kurzerhand selbst hinter die Bar gestellt, und die Negronis bereitet. Das geht sogar wenn das Licht schon aus ist. 1:1:1 Gin, Vermouth und Campari.
Glaubt man der Überlieferung, verlangte übrigens ein gewisser Herr Negroni einst in Florenz bei seinem Barmann des Vertrauens nach einer stärkeren Version des Americano. Aus Soda wurde Gin, zur Kennzeichnung aus Zitronenzeste die Orange. Zum Glück!

Die Tomaten haben mit der Überlieferungsgeschichte des Klassikers nur am Rande zu tun. In Italien sind sie schließlich der Klassiker schlechthin. Auf meinem Bauernmarkt ist bunte-Tomaten-Saison. Und überhaupt schmecken die geschmort mit Puderzucker, etwas Öl und leicht gewürzt einfach himmlisch. Süß, säuerlich und die Fenchelsaat spannt den Bogen zum Vermouth. Der Kardamom? – die Tomaten und der ganze Drink schrieen danach, wirklich. Zusammen was zusammen gehört, das indische Gewürz kannte Herr Negroni damals in Florenz vermutlich einfach nicht.

Negroni, geschmorte Tomaten mit Kardamom

Für die Tomaten: Ofen auf 200° vorheizen. 1 Hand voll Cocktailtomaten waschen, trocken tupfen und mit 1 EL Puderzucker, 1 EL Olivenöl, 1 TL Fenchelsamen und 3-5 angedrückten grünen Kardamom-Kapseln vermengen. In einer ofenfesten Form für ca. 10 Minuten im Ofen weich schmoren. Heraus nehmen und abkühlen lassen.

Für den Negroni in einem großen mit Eiswürfeln gefüllten Becherglas zu gleichen Teilen Gin, Vermouth und Campari mit einem Barlöffel verrühren. Wer möchte, kann das auch direkt im Glas machen. Ich habe statt rotem Vermouth diesmal weißen verwendet, z.B. von Belsazar. Außerdem habe ich noch ein paar Kapseln Kardamom mitgerührt um den Bogen zur Tomate noch ein wenig deutlicher zu machen. In mit Eis gefüllte Gläser abseihen und mit den Tomaten servieren.

Rezepte für klassische und weniger klassische Drinks gibt es in schöner Übersichtlichkeit z.B. auf thebar.com. Dort findet sich auch der Negroni, der ist zwar zum Glück leicht zu merken, aber man weiß ja nie. Ein bisschen Inspirieren lassen dort führt recht bald zur Durchstöberung der Hausbar – dann sind hoffentlich Eiswürfel und mindestens Gin, Vermouth und Campari im Haus.

Cheers!

Hinweis: Dieser Beitrag und das Rezept sind in Zusammenarbeit mit und für thebar.com entstanden. Der Inhalt des Artikels blieb davon unbeeinflusst.

Negroni mit Kardamom-Tomaten