Ich habe mir Zeit gelassen mit dem Beitrag über Hoi An. Mittlerweile sitze ich am Flughafen in Ho Chi Minh City, kurz davor dieses wunderbare Land zu verlassen – denn auch Kambodscha verdient sicherlich ein bisschen meiner wertvollen Reisezeit. Die Erlebnisse in Vietnam waren so intensiv, schön und beinah durchweg über alle Erwartungen positiv, dass ich allein für Ho Chi Minh schon ein paar posts reserviert habe.

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Hoi An also. Mit dem Nachtzug von Hanoi zu fahren kann ich unter bestimmten Bedingungen empfehlen. Es ist die Reise, die das Erlebnis wertvoll macht, nicht der Preis (der ist nämlich nicht kleiner als der für einen weitaus schnelleren Flug) – und selbstredend auch nicht die Schnelligkeit. Von 20.10 Uhr bis ca. 12.30 war ich unterwegs, die Strecke zwischen Hue und Danang (Hoi Ans nächstgelegener Bahnhof) hatte ich mein 4er Schlaf-Abteil für mich alleine. Gesellschaft ist wie überall eine Lotterie. Die Stimmung aber, wenn der Zug abends aus Hanoi ausfährt, aus den Boxen metallisch ein melancholisches vietnamesisches Lied über Hanoi dröhnt, die ist unersetzlich und auf keinem Flughafen der Welt zu bekommen.

IMG_0056.JPGNach sechs Tagen Hanoi (und ich hatte mich gerade so gut an die Stadt gewöhnt) war ich tatsächlich zunächst schockiert von Hoi An. Die kleine und ohne Zweifel wunderschöne Stadt ist vollgestopft mit Touristen. Das allein lässt sich früh morgens oder natürlich außerhalb am Strand oder auf dem Land (eine Fahrradtour ist eine gute Idee, aber auf eigene Faust..) natürlich etwas umgehen. Was dazu kommt ist aber, dass ein Vordringen zur natürlichen Freundlichkeit der Menschen durch die gewohnten Touristenströme extrem erschwert ist. Aufdringliches Verhalten vor Marktständen, Restaurants und Läden ist angesichts der Massen an Menschen die diese Stadt täglich sieht sicherlich kein Wunder – aber schade. Zumal offenbar erschwerend hinzu kommt, dass der Großteil der Besucher mitnichten Interesse für die wirkliche Kultur zeigt. Ein ganzes Portfolio an Pizzerien, überteuerten Kochkursen ohne Mehrwert und natürlich Touren zu allen erdenklichen Orten und Zwecken sind leicht zugänglich und die Straßenküchen sind erstaunlich leer. Gut für die, die die wirklich fantastische lokale Küche doch noch probieren wollen, denn für die ist Hoi An bekannt und das durchaus zu recht.

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Die Garküchen sahen durchweg gut aus, schön sitzt man zum Beispiel am Fluss, in der Nähe der Japanischen Brücke, über den kleinen Holzsteg. Besonders bekannt ist Hoi An zum Beispiel für die kleinen Wan Tan ähnlichen Taschen mit Krabbenfüllung Ban Bao Vac (White Rose) oder Cao Lao – die dicken Nudeln mit gegrilltem Schwein und knusprigen Schweinekrusten. Auch Cao Lao – Reis mit gerupftem Hühnerfleisch ist eine lokale Spezialität und an jeder Ecke zu haben.

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Ich kann empfehlen im Inneren des Marktes zu essen. Bahn Xeo Reispancakes zum Beispiel, mit Shrimps und Schweinefleisch. Eine nette Dame backt sie in 5 oder 6 Pfannen gleichzeitig und unglaublichem Geschick aus, allein dort zu sitzen und ihr zuzusehen ist den Besuch wert. Dankenswerterweise hat man mir gezeigt, dass die Pfannkuchen geteilt und zusammen mit so vielen Kräutern, Gurken und eingelegten Auberginen wie möglich in Reispapier gewickelt werden, bevor sie einen Dipp Erdnusssoße abbekommen.
Auch das in den Guide Books viel genannte Bale Well und sein gegrilltes Schwein mit Kräuterbergen, Reispapier und Saté sind den kleinen Umweg durchaus wert.

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In den Abendstunden tauchen viele Stände mit süßen Spezialitäten in den Gässchen auf. Tau Hu Nuoc Duong (die Konsistenz hat etwas von Panna Cotta) mit Ingwer-Sirup ist genauso probierenswert wie süße grüne Bohnen, Tapioka oder Mais. Am besten mischen lassen und alles gut durchrühren.

Abgesehen vom Essen kann man in Hoi An wirklich gut Kleidung schneidern lassen (um nicht zu sagen, das ist einer der Hauptgründe da hin zu fahren, denn die Stadt ist eine einzige Schneiderei), und wer früh aufsteht hat die wunderschön erhaltenen Pagoden, Tempel und Versammlungssäle der Altstadt fast für sich alleine. Ob ich nochmal hinfahren würde? Ich weiß nicht. Ich könnte noch ein paar Kleider gebrauchen und einen Seidenschlafsack. Die Küche war wirklich gut und die Lampions hübsch. Trotzdem: zwei Nächte sind ausreichend.

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