Leseglas

Leseglas I: Bettina Hofmann von einfach geniessen

Leseglas mit Bettina Hofmann | Von Champagner im Alltag und blöden Fragen über Wein.

Gespräch: Lisa Bierbauer
Fotos: Annette Sandner

Bettina, was hast du da im Glas – und warum?
Einen Champagner, mein absolutes Lieblingsgetränk. Er passt zu allen Stimmungen, ist immer belebend und macht immer gute Laune. Meiner Meinung nach ein extrem unterschätzter Wein. Viele nehmen ihn ja wirklich nur zum Feiern eines sehr besonderen Anlasses. Ich finde aber, man kann ihn zu allem trinken. Es ist auch ein guter, facettenreicher Essenbegleiter. Das wissen hier in Deutschland nur gar nicht so viele Leute. Die Franzosen beispielsweise gehen viel einfacher mit diesem Produkt um.

Und warum trinkst du nicht aus einem Champagnerglas?
Das mundgeblasene Gabriel Glas ist mein absoluter Favorit. Wir nutzen es für fast alle Seminare unserer und ich liebe es auch im privaten Gebrauch zu Hause. Es ist ideal sowohl für Weißwein als auch für die meisten Rotweine. Und selbst für guten Champagner gibt es kaum Gläser, die besser geeignet sind! 

Bettina Hofmann einfach genießen © Annette Sandner
Bettina Hofmann einfach geniessen © Annette Sandner

Wie kommt das?
Je hochwertiger ein Schaumwein ist, desto mehr Eigengeschmack hat er und desto höher darf die Trinktemperatur und der Kontakt mit Luft sein, damit er sich entwicklen kann. Somit ist ein normales Sektglas für den Genuss wirklich guter Schaumweine nicht ideal. Besser ist ein spezielles Champagnerglas mit größerem Volumen oder gleich ein gutes Weißweinglas, wie eben diese Universalglas von Gabriel. 

Was glaubst du, warum Champagner bei uns – vor allem im Alltag – so unterschätzt ist?
Es ist natürlich hochpreisig. Die Deutschen sind Weltmeister im Schaumwein trinken. Allerdings in einer sehr kostengünstigen Kategorie, es werden meist Marken aus dem Supermarkt getrunken. Dadurch ist der Preissprung zu vielen Champagnern ziemlich hoch. Die Winzer-Champagner, die wir im Sortiment haben, starten bei 30 Euro – die sind bei den meisten Verbrauchern allerdings gar nicht so im Kopf.

Du hast eben erwähnt, dass Champagner hervorragend zu Essen passt. Zu welchem Essen macht er sich deiner Meinung nach besonders gut?
Ich finde, dass er ein ganzes Menü unterstreichen kann. Wenn man sich eine Champagner-Begleitung gönnt, merkt man die Vielseitigkeit des Champagners besonders. Der Champagner, den ich mitgebracht habe – Champagne extra brut Un R d’autrefois von Redon – ist eher auf der intensiveren Seite, sehr lang und sehr tiefschichtig. Zu ihm würde kurz gebratenes Kalbsfleisch gut passen oder Saltimbocca.

Ist das dann auch dein liebster Champagner?
Momentan ist das mein Highlight. Aber generell würde ich mich nicht auf einen bestimmten festlegen wollen.

Ihr verkauft in eurem Laden Champagner und Weine, die „ihr selbst liebt“. Was heißt das, inwiefern kann man diese Getränke denn lieben?
Ein Großteil unseres Programms sind Charakterweine und Winzer-Champagner, die durchaus auch Ecken und Kanten haben dürfen. Sie haben alle einen Trinkfluss und machen Spaß. Aber sind auch ein bisschen komplexer, anspruchsvoller und vielschichtiger. Es gibt immer etwas zu entdecken. Das ist, denke ich, der Punkt, den wir daran so lieben. Es sind Produkte, mit denen man sich gerne auseinandersetzt.  

Also sollte man schon auch ein wenig Erfahrung im Trinken von Champagner und Weinen haben, damit man kapiert, was man da gerade trinkt?
Das ist von Vorteil. Es gibt trotzdem viele Sorten, die eher zugänglich und einfach sind. Wir haben bei uns ja auch eine Weinschule. Unser Ansatz: Die Teilnehmer sollen den Wein oder Champagner finden, den sie mögen. Wir bieten viele Seminare an, unter anderem ein Grundlagen-Seminar, bei dem man an das Thema herangeführt wird. Fragen, die beantwortet werden sollen, sind etwa: Wie funktioniert Wein? Wie finde ich einen Wein, der mir schmeckt? Geht man danach in eine Weinhandlung, kann man dem Händler ein paar Eckpunkte an die Hand geben, um den passenden Wein zu finden. Im Zweifel weißt du das ansonsten gar nicht, und die Fragen von Weinhändlern bezüglich des Geschmacks fühlen sich eher unangenehm an. Wir möchten den Leuten ein Handwerkszeug mitgeben, damit sie selbstbewusst Wein kaufen können. Das muss auch nicht der teuerste Wein sein, sondern einfach der, der einem persönlich am meisten schmeckt.

Woran erkennt man, dass jemand keine Ahnung von Wein hat?
Anfängerfehler gibt es eigentlich gar nicht. Wenn man offen an das Thema rangeht, ist es völlig in Ordnung, keine Ahnung zu haben. Während unserer Seminare ist eines unserer großen Ziele, absolut auf Augenhöhe mit den Teilnehmern zu sprechen. Keine Frage ist zu blöd.

Würdest du sagen, dass sich der Wein-Geschmack erst entwickeln muss?
Total. Zunächst riecht man am besten erstmal ins Glas und schaut, was man alles erkennt. Ein wahninniges Training, das man so nicht unbedingt gewohnt ist. Man kann einen Wein viel besser beschreiben, wenn man weißt, wie er riecht.

Wie kamst du selbst eigentlich zu Wein und Champagner?
Ich habe schon immer gerne gegessen und gut getrunken. Bei mir ging es dann quasi vom Hobby zum Beruf. Mein Mann kommt von einem Weingut und hat 2003 „einfach geniessen“ gegründet. Ich selber habe einen Marketing-Background und so hat sich das dann ganz gut ergeben.

Essen und Trinken waren also immer schon deine Leidenschaft. Was bedeutet Kulinarik für dich persönlich?
Ich finde, dass man in beiden Themen – im Wein als auch im Essen, und am besten in beidem zusammen – unheimlich viel Neues entdecken kann. Ich koche total gern zuhause. Allerdings finde ich es nicht immer so einfach, kreativ zu sein. Gerade jetzt in der Corona-Zeit merkt man, dass man schon überlegen muss, um nicht immer das Gleiche zu kochen. Fast noch lieber gehe ich deshalb essen. Man wird von unterschiedlichen Einflüssen inspiriert. Egal, ob man etwas ganz Einfaches wie eine gut gemachte Brotzeit isst oder ins Sternerestaurant geht.

Was ist deine Lieblingsküche?
Ich esse mich eigentlich quer Beet durch. Wenn ich mich festlegen müsste, wäre es wahrscheinlich der Klassiker, die italienische Küche. Letztes Jahr war ich erneut in Rom. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie die ihre ganz normale Pasta so unfassbar gut hinbekommen.

Hast du auch eine Lieblingslocation hier in München?
Ja, das Broeding in Neuhausen. Es gibt jeden Abend fünf Gänge, die immer anders sind. Das ist das Konzept hinter dem Restaurant, total spannend. Es ist eine eher gehobene Location und man geht vielleicht nicht jede Woche zum Essen hin. Aber gerade für einen schönen Anlass ist es super. Was ich an dem Restaurant so mag: Es ist nicht zu fancy oder abgehoben, man bekommt dort Klassiker neu interpretiert.

Und wo wirst du deinen ersten Drink einnehmen, sobald es die Corona-Lockerungen zulassen?
Wahrscheinlich in der Bar Mural, zusammen mit Annette. Ich lasse mich dort immer sehr gerne vom Sommelier beraten und probiere aus, was offen ist und was es spannendes Neues gibt. Ich mag es sehr, wenn mir etwas empfohlen wird, und ich mich überraschen lassen kann.
(edit von Annette: stimmt nicht ganz. Heute – am ERSTEN Tag der Lockerungen gehen wir zwar zusammen was trinken (bis 20 Uhr, wow) – aber erstmal ins Hoiz Weinbistro.)

Bettina Hofmann einfach genießen © Annette Sandner
Bettina Hofmann einfach geniessen © Annette Sandner

Leseglas | Bettina Hofmann

Bettina Hofmann betreibt zusammen mit ihrem Mann Bernhard Meßmer die Wein-Schule “einfach geniessen” mit dem zugehörigen Online-Shop “einfachweinkaufen.de“. Sie lebt und arbeitet in München und steht Annette nicht nur für Champagner-Tipps, sondern auch für die gemeinsame Konsumation davon ab und an zur Verfügung.

Glas: Gabriel Gold Edition
im Glas: Redon | Champagne extra brut Un R d’autrefois

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Leseglas II: Mein Vater – Hans Sandner

LESEGLAS. Gespräche wie genussvolle Abende: man weiß nie genau, wohin die Reise geht.

Das “Leseglas” ist wie sein Namensgeber eine Linse zur Vergrößerung – hier von Charakteren in den genussaffinen Branchen und außerhalb davon.
Ein Blick auf die vielschichtigen Menschen mit Sinn für Kulinarik – egal aus welchem Bereich. Immer mit dem passenden Glas zur Hand, versteht sich.

Die Gespräche führt Annette entweder selbst – oder überlässt das der freien Autorin Lisa. Mehr Blicke durch das “Leseglas” gibt es hier.

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