Rosé also. Die Weinrallye #77 findet hier, genau bei mir statt, nach dem Vinocamp und der Diskussion über #weinrallye “ja” oder “nein” und “will das überhaupt noch jemand” habe ich mich mehr als gerne gemeldet, einen der nächsten Termine zu hosten. Ein Thema musste her, möglichst breit gefächert, dennoch nicht uninteressant. Was liegt da näher als ein Wein, der so vielfältig ist wie Rosé, und den trotzdem irgendwie niemand mag. Und: stimmt das überhaupt? Schmeckt der auch zum Essen oder ist das nur was für Weintrinker, die ohnehin keine Ahnung haben?

Mir scheint (und das mal nicht empirisch erhoben): Rosé hat einen seltsamen Ruf. Pink-pappig-süß und sowieso nur im Sommer, ein Bild von Camargue-Pferden und Erdbeer-Eiswürfeln. Schrecklich. Ich bin mehr als gespannt, was sich für unterschiedliche Bilder von dem ergeben, wie die Weinrallye-Teilnehmer Rosé sehen. Zu was er passt, warum – oder warum nicht.

Wie ist das also mit mir und dem Rosé? Müsste ich nicht – wo ich das rosa Spektakel schon veranstalte – die größte Verfechterin sein? Mein Keller: kein Rosé (von einer Flasche Champagner einmal abgesehen). Mein Kühlschrank – und der beherbergt durchaus ein paar Flaschen: ein Rosé. Über den wollte ich allerdings nicht schreiben, der ist mir nämlich zu blumig, fruchtig, langweilig.
Einer der wenigen Rosés, an die ich mich besonders positiv einer Verkostung entsinnte war der LAM Syrah Rosé vom südafrikanischen, bio-dynamischen Weingut Lammershoek. Weil er so anders war als all das, was diesen schalen Balkon-Minzeblättchen Beigeschmack hat. Knackigkeit, herbe Frische, Würze, Frucht (vielleicht sogar die Erdbeere) – aber angenehm. Wie frisch im Wald gesammelte Beeren, nicht wie Erdbeerjoghurt aus dem Supermarkt. Nach 11 Monaten in alten Eichenfässern wird er unfiltriert abgefüllt.

Die kräftige Säure verträgt ein kräftiges Essen, die subtile Süße schreit nach etwas Schärfe, die dezente Frucht spielt mit den Gewürzen. Rosé kann also auch ganz anders: als fabelhafter und äußerst vielseitiger Essensbegleiter. Ganz ohne Sonne auf dem Balkon. (Überhaupt – trinkt man denn Rot- oder Weißwein nur im Sommer?!) Deswegen gab es den LAM auch ausdrücklich im Dunkeln. Zur Pasta mit klassischer, kräftiger Bolognese, die da von Lardo, etwas Anis, Zimt und Co. kein geschmackliches Leichtgewicht gewesen ist.
Zu dem Sugo entwickelt sich der Rosé ganz wunderbar, gewinnt Raum für die Entfaltung der Frucht, hat genug Kraft sich durchzusetzen ohne aber aufdringlich zu werden.

Und jetzt? Wahrscheinlich verlagere ich das Gleichgewicht im Keller nicht von Riesling nach Rosé. Dennoch: auch und gerade zum Essen – sowohl zu kräftiger Mittelmeerküche, als auch zum Beispiel zum Orientalischen – behalte ich den Rosé auf der persönlichen Weinkarte. Und bin überaus gespannt, was für Empfehlungen zur Weinrallye 77 von Euch allen folgen.

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